4. Der Unteroffizier als Erzieher

Die kommunistische Erziehung der Armeeangehörigen ist untrennbarer Bestandteil der gesamten politischen und militärischen Tätigkeit des Unteroffiziers sowohl im Frieden als auch im Krieg.

Im Prozeß der kommunistischen Erziehung in der Nationalen Volksarmee muß zielstrebig auf den Vorleistungen aufgebaut werden, die von anderen Erziehungsträgern (Schule, Jugendorganisationen, Betrieb, Elternhaus usw.) geschaffen wurden, müssen jene moralisch-kämpferischen Eigenschaften herausgebildet werden, die der Armeeangehörige zur Verteidigung des sozialistischen Vaterlandes benötigt.

Welche grundlegenden Besonderheiten der politischen und militärischen Erziehung muß der Unteroffizier beachten?
In der Nationalen Volksarmee wird unter strenger militärischer Zielgerichtetheit erzogen. Bei den Armeeangehörigen müssen eine unerschütterliche Klassenposition und all jene moralisch-kämpferischen Eigenschaften entwickelt werden, die in Einheit mit hohem militärischem Können bereit und fähig machen, im modernen Gefecht siegreich zu kämpfen und die Aufgaben im Diensthabenden System sowie im Gefechtsdienst vorbildlich zu erfüllen. Die Erziehung in der Gruppe wird vom Gruppenführer geleitet, der dazu die notwendigen Rechte und Vollmachten hat. Erzogen wird im und durch das militärische Kollektiv, das sich durch eine besondere Organisation, durch Vorschriften, geregelte militärische Beziehung, eine spezifische Lebensweise u.a. auszeichnet.

Die Erziehung ist manchmal auch Umerziehung, da Erwachsene erzogen werden, die bereits in bestimmten Maße eigene Überzeugungen, Einstellungen und Gewohnheiten haben.

4.1. Ziel der Erziehung der Armeeangehörigen

Die kommunistische Erziehung soll zur Formung allseitig entwickelter Persönlichkeiten beitragen, die ihre Fähigkeiten und Begabungen zum Wohle der sozialistischen Gesellschaft entfalten, sich durch Arbeitsliebe und Verteidigungsbereitschaft, durch Gemeinschaftsgeist und durch Streben nach hohen kommunistischen Idealen auszeichnen.

Das Ziel der Erziehung allseitig entwickelter sozialistischer Soldatenpersönlichkeiten schließt bestimmte Seiten und Zielbereiche ein, die der Unteroffizier bei der Festlegung der Erziehungsziele im Auge behalten muß. Auf welche Erziehubgsziele sollte sich der Unteroffizier besonders orientieren?

Ziele der weltanschaulichen Erziehung Aneignung und Festigung der marxistisch-leninistischen Weltanschauung:
Entwicklung und Ausprägung der Charaktereigenschaften der Armeeangehörigen, ihrer Einstellungen, Überzeugungen, Willens- und Gefühlseigenschaften, Motive, Bedürfnisse, Ideale auf der Grundlage der Ideologie und Moral, der Werte und Normen der Arbeiterklasse; Festigung des Einflusses der Ideologie und Moral der Arbeiterklasse auf das Denken, Handeln und Verhalten der Armeeangehörigen. Ziele der moralischen Erziehung Vermittlung und Aneignung der Prinzipien und der Normen der Moral und Ethik der Arbeiterklasse; Entwicklung moralisch-kämpferischer Eigenschaften bei den Armeeangehörigen, wie Siegesgewißheit, Diszipliniertheit, Mut, Tapferkeit, Kühnheit, Opferbereitschaft, Entschlossenheit, Kameradschaftlichkeit, Hilfsbereitschaft; Ausprägung von Willensqualitäten, wie Ausdauer, Entschlossenheit, Entscheidungsfreude, Risikobereitschaft u.a.m.; Festigung der Wirksamkeit der sozialistischen Einstellung zur Arbeit, zum Wehrdienst sowie zu allen Formen der militärischen Tätigkeit auf das Verhalten; Auseinandersetzung mit nichtsozialistischen Verhaltenweisen. Ziele der politischen Erziehung Erziehung zur Treue gegenüber der Arbeiterklasse und ihrer marxistisch-leninistischen Partei, zu überzeugten Patrioten und glühenden Internationalisten sowie zur antiimperialistischen Solidarität; Festigung der Bereitschaft zur aktiven, entschlossenen Verteidigung der sozialistischen Staatengemeinschaftgemeinschaft gemeinsam mit der Sowjetarmee und den anderen Waffen- und Klassenbrüdern; Erziehung zu Unversöhnlichkeit gegenüber dem Imperialismus, zum Hass auf seine Söldner, Befähigung zu offensiver Auseinandersetzung mit der bürgerlichen Ideologie. Ziele der militärischen Erziehung Ausprägung klassenmäßiger Einstellungen zur Militär- und Sicherheitspolitik der SED sowie zu den politischen Zielen, dem Charakter, dem Verlauf eines möglichen Krieges und der Rolle der Streitkräfte im Klassenkampf unserer Zeit; Bereitschaft zur bindingungslosen Erfüllung des Fahneneides; bewußtes Streben nach militärischer Meisterschaft. Ziele der körperlichen Erziehung Entwicklung der körperlichen Kräfte, der Ausdauer und Gewandtheit und der Fähigkeit, große körperliche Anstrengungen zu meistern; Stärkung des Organismus und Festigung der Gesundheit. Ziele der kulturell-ästhetischen Erziehung Sicherung des geistig-kulturellen Wachstums der Soldatenpersönlichkeit; Entwicklung des Strebens nach Aneignung der Wissenschaften, Literatur und Kunst; Befähigung, Kunstwerke klassenmäßig zu beurteilen. Ziele der Rechtserziehung Festigung des Verständnisses für moralische und juristische Normen in ihrer dialektischen Einheit und der persönlichen Übereinstimmung der Armeeangehörigen mit ihren Forderungen; Entwicklung des Pflichtgefühls und Verantwortungsbewußtseins bei der Einhaltung der Befehle und Dienstvorschriften sowie der Durchsetzung einer bewußten militärischen Disziplin und Ordnung; Förderung der aktiven Mitwirkung an der Wahrung und Durchsetzung sozialistischer Rechtsnormen.

Alle Zielbereiche stehen in dialektischen Beziehungen zueinander, bedingen, ergänzen und durchdringen einander. Primat haben die weltanschauliche, moralische und politische Erziehung der Armeeangehörigen.

4.2. Anwendung der Prinzipien der Erziehung durch den Unteroffizier

Die konsequente, schöpferische Anwendung der Erziehungsprinzipien in der täglichen politischen und militärischen Erziehungsarbeit garantieren dem Unteroffizier dauerhafte Erfolge bei der kommunistischen Erziehung seiner Unterstellten.

4.3. Methoden der Erziehung und ihre Anwendung durch den Unteroffizier

4.3.1. Überzeugen

Das Überzeugen ist die Hauptmethode der kommunistischen Erziehung. Es trägt zur zielstrebigen Entwicklung sozialistischer Soldatenpersönlichkeiten, zur Festigung und Ausprägung ihrer marxistisch-leninistschen Weltanschauung und Moral bei. Es hilft gesellschaftlich wertvolle Überzeugungen und Ideale, stabile ideologische und moralische Normen, Werte und Verhaltensgewohnheiten auszuprägen.

Eine Besonderheit der Anwendung dieser Methode in den sozialistischen Streitkräften besteht darin, daß das Überzeugen und das Befehlen miteinander verbunden sein können. Der Befehl ist dem Wesen nach eine kategorische Forderung. Er muß bedingungslos erfüllt werden. In den sozialistischen Streitkräften beruht seine Kraft auf der Bewußtheit der Armeeangehörigen. Sie werden einen Befehl um so initiativreicher ausführen, je mehr sie sich mit ihm identiifizieren, je besser sie erkannt haben, daß der Befehl sowohl mit den gesellschaftlichen als auch mit den persönlichen Interessen der Armeeangehörigen übereinstimmt. Allgemeine Regeln Stets solche Befehle geben, die den Erfolg bei der Lösung der Aufgaben gewährleisten und in erster Linie damit die Unterstellten von der Richtigkeit und Zweckmäßigkeit der Forderungen überzeugen. Befehle nur dann erläutern, wenn das unbedingt erforderlich ist. Die Zweckmäßigkeit und Notwendigkeit einer Forderung des Vorgesetzten wird meist auch ohne Erklärung offentsichtlich. Befehle so erteilen, daß bei den Armeeangehörigen von vornherein jedes Zögern und jede Unentschlossenheit ausgeschlossen werden. Die Erfüllung eines Befehls konsequent durchsetzen. Dabei die Unterstellten nie zur Ausführung eines Befehls überreden oder ermahnen. Möglichkeiten des Überzeugens Überzeugen durch das Wort Mit dieser Methode kann der Unteroffizier daß Bewußtsein, die Gefühle und den Willen der Armeeangehörigen besonders beeinflussen. Regeln für das Überzeugen durch das Wort Kontinuierlich an der Verkommnung der eigenen marxistisch-leninistischen Weltanschauung arbeiten.

Nur derjenige, der selbst überzeugt ist, kann andere überzeugen.

Konkrete Ziele für die Überzeugungsarbeit erarbeiten. Ein reales Bild über die Auffassungen, Einstellungen und Meinungen im Kollektiv schaffen, die bekräöftigt oder verändert werden müssen. Stets den eigenen Standpunkt parteilich und konsequent vertreten. Verständlich und überzeugend argumentieren. Verstand und Gefühl der Armeeangehörigen ansprechen. Argumente möglichst durch typische Beispiele aus dem Erlebnisbereich der Unterstellten belegen. Die Armeeangehörigen aktiv in die Diskussion einbeziehen und ihnen die Möglichkeit geben, ihren Standpunkt zu verteidigen. Anregungen geben, wie das richtig Erkannte auch im praktischen Handeln anzuwenden ist. Überzeugen durch die Tat Das Überzeugen durch das Wort muß der Unteroffizier mit eigenen vorbildlichen Taten verbinden. Dadurch gewinnen seine Worte an Überzeugungskraft und wirken nachhaltiger auf die Armeeangehörigen. Widersprüche zwischen Wort und Tat der Vorgesetzten schaden der Erziehung. Regeln für das Überzeugen durch die Tat Durch eigenes beispielhaftes Verhalten das Vertrauen der Unterstellten zum Vorgesetzten festigen. Dabei bedenken, daß Vertrauen Aufnahmebereitschaft für gegebene Argumente schafft und die emotionale Empfänglichkeit der Unterstellten fördert. Vorbildliche Taten anderer zum Überzeugen nutzen und die Unterstellten anspornen, diesen Vorbildern nachzueifern. Aus der sowjetischen Kriegsroman- und Kriegsmemoirenliteratur treffende Beispiele auswählen, die eng mit dem jeweiligen Ausbildungsthema zusammenhängen, bei den Armeeangehörigen Interesse und Verständnis für den Ausbildungsstoff wecken und eine aktive Mitarbeit im Ausbildungsprozeß fördern. Überzeugen durch Erfahrungsvermittlung Auch diese Verfahrensweise hängt eng mit der Weitergabe von Erfahrungen hervorragender Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, aus der Geschichte, aus der Memoirenliteratur usw. zusammen. Aber vor allem kommt es darauf an, daß die Armeeangehörigen in der militärischen Tätigkeit persönliche Erfahrungen erwerben; denn wo theoretische Erkenntnisse durch persönliche Erfahrungen untermauert werden, dort schreitet die Überzeugungsentwicklung kontinuierlich voran. Regeln für das Überzeugen durch Erfahrungsvermittlung Den gesamten Dienst exakt nach den militärischen Bestimmungen gestalten und damit die Vorzüge des sozialistischen Militärwesens deutlich machen. Im Ausbildungsprozeß solche Bedingungen schaffen, bei denen die Armeeangehörigen die Übereinstimmung zwischen der Notwendigkeit hoher Gefechtsbereitschaft und der Ausbildungspraxis erlebten. Die täglichen praktischen Erfahrungen der Unterstellten beachten und ihnen helfen, persönliche Erlebnisse und Erfahrungen vom Klassenstandpunkt aus zu bewerten.

Zusammengefaßt sei zur Methode des Überzeugens betont, daß ihre erfolgreiche Anwendung grundsätzlich die Beachtung und Anwendung aller Möglichkeiten des Überzeugens einschließt.

4.3.2. Nutzen des Vorbildes

Das Vorbild des Unteroffiziers ist eine der wichtigsten Bedingungen und Voraussetzungen für eine erfolgreiche kommunistische Erziehung. Das persönliche Vorbild, das Vorleben in Einheit von Wort und Tat hat aufgrund seiner Anschaulichkeit, seiner Ausstrahlungskraft bedeutetenden Einfluß auf das Verhalten der Unterstellten.

Es regt zur Nachahmung an fördert ihre Bewußtseinsbildung und beeinflußt ihre Gefühle, Willenseigenschaften und Verhaltensgewohnheiten. Jede Handlung des Vorgesetzten wird von den Unterstellten erlebt, geistig und gefühlsmäßig bewertet und zumindest gedanklich anerkannt oder abgelehnt. Deswegen wirkt das positive Beispiel des Unteroffiziers nur dann nachhaltig, wenn es für die Unterstellten nicht nur von Fall zu Fall, sondern ständig spürbar ist. Besonderes Gewicht hat es aber dann, wenn die Unterstellten in der Ausbildung und im Gefecht zur Bewältigung hoher moralisch-kämpferischer Anforderungen mobilisiert werden müssen. Das alles gilt in gleicher Weise für die Kommunisten und für die Besten. Regeln für das Nutzen der eigenen Vorbildwirkung Konsequent, zielstrebig und systematisch an der eigenen Qualifizierung und der Anerziehung von Eigenschaften einer sozialistischen Vorgesetztenpersönlichkeit arbeiten. Die Forderung der Dienstvorschriften und Befehle sowie die Normen der sozialistischen Moral konsequent durchsetzen. Den Unterstellten richtiges politisches, sittliches und militärisches Verhalten vorleben und sie damit zu bewußtem Nacheifern anregen. Besonders in schwierigen Situationen der Gefechtsausbildung wie im Gefecht beispielgebend vorangehen.

ie Unterstellten am Beispiel der Besten orientieren und den sozialistischen Wettbewerb zur Verallgemeinerung ihrer Leistungen nutzen.

4.3.3. Üben militärischen Verhaltens

Das Üben normgemäßen Verhaltens ist die Hauptmethode zur Herausbildung der erforderlichen militärischen Gewohnheiten.

Das sind vor allem solche Gewohnheiten wie diszipliniertes Verhalten, ausdauerndes und beharrliches Handeln, entschlossenes Lösen komplizierter Aufgaben in der politischen und militärischen Ausbildung, das Leben nach der Dienstvorschrift, das Einhalten der Regeln der Hygenie usw. Regeln für erzieherisch wirksames Üben Den Unterstellten Ziel und Zweck des zu übenden Verhaltens bewußtmachen. Eine kritische Einstellung im Kollektiv zu Verstößen gegen das geforderte Verhalten schaffen und die Armeeangehörigen befähigen, die Folgen undisziplinierten Verhaltens parteilich zu werten. Im Verlaufe des Übens kontinuierlich die Anforderungen an vorschriftsmäßiges Verhaltens erhöhen. Geduld, Beharrlichkeit und Ausdauer beim Üben aufbringen, denn Gewohnheiten militärischen Verhaltens bilden sich nicht in wenigen Tagen heraus.

4.3.4. Loben

Die Wirkung von Lob und anderer anspornender Methoden im Prozeß der kommunistischen Erziehung beruht auf dem Streben eines jeden Menschen nach sozialer Anerkennung, nach Achtung und Wertschätzung durch die Angehörigen seines Kollektiv. Erfolge, Fortschritte im Leistungs- und Sozialverhalten muß der Unteroffizier daher in einer angemessenen Form würdigen und auch die kollektive Anerkennung (öffentliche Meinung) organisieren.

Dadurch hat der Unterstellte echte Erfolgserlebnisse, die klassenmäßiges Verhalten, Streben nach guten Leistungen in der Gefechtsausbildung, in der politischen Schulung usw. stimulieren. Erfolgserlebnisse beflügeln den Menschen, spornen ihn an, entwickeln das gesunde Streben nach neuen höheren Erfolgen. Der Unteroffizier muß regelmäßig die Ausbildungs- und Erziehungsergebnisse analysieren und die verschiedenen Formen des Lobens anwenden, um die moralisch-kämpferischen Eigenschaften zu fördern, bewußte Disziplin zu entwickeln und höchstmögliche Leistungen für hohen Kampfwert und hohe Gefechtsbereitschaft zu erzielen. Durch die Anerkennung ihrer Leistungen, positiven Eigenschaften und den erlebten Erfolg wird auch die Bereitschaft der Armeeangehörigen gefördert, selbst aktiv an der Überwindung noch vorhandener Mängel mitzuarbeiten. Die Formen des Lobes können recht unterschiedlich sein. Sie reichen vom anerkennenden Wort unter "vier Augen", der lobenden Erwähnung vor der Gruppe bis zur Anwendung der Befugnisse, wie sie in der Disziplinarvorschrift festgelegt sind (s. Teil D, Abschnitt 11.2). Regeln zur Anwendung dieser Erziehungsmethode Jede gute Leistung anerkennen und damit das gesamte militärische Kollektiv anspornen. Den tatsächlichen Leistungsfortschritt, die aufgewandten Anstrengungen, das Gesamtverhalten, bereits erhaltene Belobigungen (eventuell nicht gelöschte Disziplinarstrafen) berücksichtigen und dann entscheiden, welche Form des Lobes angewendet werden soll. Möglichst an Ort und Stelle loben, Anerkennung nicht hinauszögern. Vor dem Kollektiv loben, kollektives Lob organisieren, denn es hat oft höhere Wirkungen als das lobende Wort des nächsthöheren Vorgesetzten. Auch das ganze Kollektiv loben, wo das möglich ist und den individuellen Beitrag eines jeden in der kollektiven Leistung bewußtmachen.

Nicht an das Lob gewöhnen, sondern an die Bewertung der Leistungen bzw. des klassenmäßigen Verhaltens. Die Leistung und die ihnen zugrundeliegenden Beweggründe würdigen. Nicht der Reihe nach loben, damit jeder in der Gruppe "einmal drankommt".

4.3.5. Zwang

Zwangsmaßnahmen in der kommunistischen Erziehung müssen, wenn sie Erfolg haben sollen, stets in dialektischer Einheit mit den anderen Methoden benutzt werden, vor allem mit der politisch-ideologischen Überzeugungsarbeit.

Grundsätzlich gilt:
Zwang sollte erst dann ausgeübt werden, wenn andere Methoden der Einflußnahme durch den Unteroffizier bereits ausgeschöpft wurden und nicht zu den gewünschten Ergebnissen geführt haben.

Werden die verschiedenen Arten des Zwangs in Verbindung mit den anderen Methoden angewendet, dann bewirken sie auch, daß der Armeeangehörige über sein Verhalten ernsthaft nachdenkt, negative Eigenschaften ablegt, sein Gesamtverhalten klassenmäßig orientiert und die gegenseitige Selbsterziehung beschleunigt wird.

Formen des Zwangs sind:
das mißbilligende Wort; die Zurechtweisung; die Ermahnung; die Kritik; die Verwarnung; das Verbot; die Verurteilung durch die Disziplinarstrafe. die öffentliche Meinung; Alle Formen des Zwangs (nicht nur der reinen Disziplinarmaßnahmen) müssen unter Berücksichtigung aller Erziehungsprinzipien eingesetzt werden, besonders unter Berücksichtigung des Prinzips der Orientierung auf das Positive. Die Beachtung aller Erziehungsprinzipien garantiert, daß die angewendete Erziehungsmaßnahme verstanden, als gerecht und verdient erlebt wird. Außerdem wird so verhindert, daß die Maßnahmen und Mittel des Zwangs das Vertrauen der Armeeangehörigen in sich selbst und andere erschüttern, sowie Minderwertigkeits- und Benachteiligungsgefühle oder auch Verstocktheit auslösen.
Die Befugnisse des Gruppenführers zur Bestrafung Unterstellter sind in der Disziplinarordnung festgelegt (siehe Teil D, Abschnitt 11.2). Regeln für die Anwendung des Zwangs Bei jeder Entscheidung zur Anwendung einer Form des Zwangs die Prinzipien der Erziehung, insbesondere das Prinzip der Orientierung auf das Positive und der entsprechenden Regeln, beachten. Mit Entschiedenheit dafür sorgen, daß kein Verstoß gegen die militärische Disziplin und Ordnung ungeahndet bleibt. In der Gruppe gemeinsam mit dem Aktiv eine kritische Atmosphäre schaffen, in der schwache Leistungen und undiszipliniertes Verhalten nicht vertuscht, sondern offen und ehrlich aufgedeckt werden. Sichern, daß die Anwendung einer Zwangsmaßnahme gegen einzelne Armeeangehörige vom Kollektiv verstanden und unterstützt wird. Bei der Anwendung von Formen des Zwangs das Fehlverhalten bestrafen und nicht die Würde des Menschen antasten. Das Kollektiv nicht an Zwangsmaßnahmen und Disziplinarstrafen gewöhnen. Nicht mit der Bestrafung drohen. Ständig mit dem bestraften Armeeangehörigen weiterarbeiten. Sein Bestreben zur Besserung unterstützen und ihm bewußtmachen, daß nicht nur die Mängel in seinem Verhalten, sonndern in erster Linie das Gute gesehen und gewertet wird.

Die Methoden des Zwangs immer in Verbindung mit anderen Erziehungsmethoden, insbesondere mit der ideologischen Überzeugungsarbeit anwenden.

 

5. Vorbereitung und Auswertung der Ausbildung

5.1. Vorbereitung der Ausbildung

Die Vorbereitung der Ausbildung ist ein gedankliches Vorwegnehmen der Ausbildungsstunde, bei der alle Möglichkeiten ihrer inhaltlichen, methodischen, erzieherischen und organisatorischen Gestaltung durchdacht werden müssen. Dabei auf folgende Fragen konzentrieren:

Welches Ausbildungs- und Erziehungsziel soll erreicht werden (Persönlichkeit, Kollektiv)?
Was soll vermittelt werden (Inhalt)?
Wie soll der Inhalt vermittelt werden (Methode)?
Womit werden Ziel, Inhalt und Methode realisiert (Organisation, materielle Sicherstellung)?

Ergebnis dieser gründlichen Überlegungen ist der Konspekt bzw. der Handzettel, der "Fahrplan" für die Ausbildungsstunde. Art und Umfang der individuellen Dienstvorbereitung sind von Erfahrungen des Ausbilders und vom Ausbildungsort (Gelände oder Unterrichtsraum) abhängig. Inhaltliche Vorbereitung Vertrautmachen mit dem Ziel und dem Inhalt des Stoffgebietes; gründliches Studium der Dienstvorschriften und anderer Dokumente sowie der Literatur (des betreffenden Handbuches), die für die Ausbildungsstunde notwendig sind; persönliche Aneignung bzw. Festigung des Wissens und Könnens, das den Armeeangehörigen vermittelt werden muß. Als Ergebnis der inhaltlichen Vorbereitung muß der Ausbilder den Stoff der durchführenden Ausbildung beherrschen und die bei den Armeeangehörigen zu entwickelnden Fähigkeiten und Fertigkeiten selbst besitzen. Methodische Vorbereitung Analyse des Ziels der Ausbildungsstunde in bezug auf die konkreten Kenntnisse, Fertigkeiten und Eigenschaften; Herauaarbeiten der erzieherischen Potenzen des Ausbildungsstoffes; Planen der Folgerichtigkeit und Systematik der Ausbildungsstunde; Auswahl zweckmäßiger methodischer Formen und Aspekte; Festlegung der Erziehungsschwerpunkte der Ausbildungsstunde; Festlegen erzieherischer Maßnahmen entsprechend der pädagogischen Situation in der Einheit (Zusammensetzung, aktuelle Ereignisse, Umgangston); Festlegen besonderer erzieherischer Maßnahmen für einzelne Armeeangehörige; Durchdenken der Möglichkeitenn zur Einbeziehung der Armeeangehörigen in die Vorbereitung, Durchführung und Auswertung der Gefechtsausbildung.

Ziel der methodischen Vorbereitung ist eine der bestmögliche methodische Aufbau der Ausbildungsstunde bei Nutzung aller erzieherischen Möglichkeiten des Inhalts und der Gestaltung der Gefechtsausbildung, der Beziehungen zwischen den Auszubildenden und dem Ausbilder sowie des Auftretens des Ausbilders selbst. Organisatorisch-materielle Vorbereitung Erarbeiten der schriftlichen Unterlagen (Konspekt bzw. Handzettel); Planung und Organisierung der materiellen Sicherstellung; Auswahl und Vorbereitung der Ausbildungsplätze und -mittel.

Diese Vorbereitung soll die Ausbildung organisatorisch und materiell einwandfrei sicherstellen und auch von dieser Seite her eine gefechtsnahe Ausbildung der Armeeangehörigen und die effektive Nutzung der Ausbildungszeit gewährleisten.

5.2. Auswertung der Ausbildung

Nach jeder Ausbildung müssen die Ergebnisse kritisch eingeschätzt und Schlußfolgerungen für die weitere Arbeit gezogen werden. Dabei analysieren: die Erfüllung des Ausbildungs- und Erziehungsziels; die Qualität der Arbeit des Ausbilders; die Leistungen und die Mitarbeit der Auszubildenden; die Ursache für positive und negative Erscheinungen. Formen der Auswertung sind: die persönliche Auswertung des Ausbilders (Nachbereitung); die Auswertung mit der Ausbildungseinheit; die Auswertung mit einzelnen Armeeangehörigen.

Die persönliche Auswertung des Ausbilders (Nachbereitung) wird unmittelbar nach der Ausbildungsstunde oder am Wnde des Ausbildungstages vorgenommen. Durch eine kritische Einschätzung des Ausbildungsgeschehens werden dabei positive und negative Erscheinungen aufgedeckt, um die positiven Elemente festigen und negative künftig ausschalten zu können. Damit dient diese Auswertung zugleich der Vorbereitung des Unteroffiziers auf die nächsten Ausbildungsstunden.

Dabei interessiert: Wurde das Ziel der Ausbildungsstunde erreicht? Was wurde nicht erreicht und warum nicht? Entsprach die Vorbereitung den Anforderungen bezüglich Qualität der schriftlichenn Vorbereitung; materieller Sicherstellung; persönlicher Vorbereitung auf die Ausbildung; Einbeziehung der Armeeangehörigen in die Vorbereitung, Durchführung und Auswertung? Entsprach die Ausbildung inhaltlich, methodisch und zeitlich dem geplanten Verlauf? Wurden alle erzieherischen Möglichkeiten genutzt, wie erzieherische Möglichkeiten, die sich aus dem Ziel und dem Inhalt der Stunde ergaben; Möglichkeiten zur Förderung leistungsschwacher Armeeangehöriger? Welche Schwächen traten in der Gestaltung der Ausbildung auf, und wie sind sie künftig zu vermeiden? Beherrschen des Stoffgebietes; Kontakt zu den Armeeangehörigen; Disziplin und Mitarbeit der Armeeangehörigen. War die Ausbildungseinheit zweckmäßig auf die Ausbildung vorbereitet? Wie werden Leistungsstand und Leistungsvermögen der Armeeangehörigen beurteilt? Wurden alle Armeeangehörigen in der Stunde optimal belastet? Wie werden Einsatzbereitschaft, Einsatzfreudigkeit und Kollektivität der Armeeangehörigen bewertet? Auf wen kann ich mich als Ausbilder in der künftigen Ausbildung besonders stützen, wem muß besonders geholfen werden? Die Auswertung mit der Ausbildungseinheit ist am Schluß jeder Ausbildung vorzunehmen. Dabei werden kurz und konkret die wesentlichen Ergebnisse der Ausbildung zusammengefaßt, positive und negative Leistungen eingeschätzt sowie Schlußfolgerungen für die weitere Ausbildung gezogen. Bei der Auswertung mit der Ausbildungseinheit wird eingeschätzt: Wurde das Ziel der Ausbildungsstunde erreicht? Wie waren Disziplin, Mitarbeit und gegenseitige Hilfe? Welche guten und schwachen Einzel- bzw. Kollektivleistungen gab es, wie werden diese bewertet? Welche Aufgaben werden gestellt, um den Stoff zu festigen? Wie sollen sich die Armeeangehörigen auf die nächste Ausbildung vorbereiten? Wer meldet sich zu welchem Zeitpunkt beim Ausbilder?

Die Auswertung mit einzelnen Armeeangehörigen wird in Form eines Gesprächs vorgenommen und hat das Ziel, besonders fähige und leistungsstarke Armeeangehörige zu fördern oder leistungsschwachen Armeeangehörigen zu helfen. Sich vor dem Gespräch klarmachen: das Ziel der Auswertung; den Ausgangspunkt für den Gesprächsbeginn; die im Gespräch zu behandelnden Probleme; mögliche Schlußfolgerungen; die indivviduellen Eigenarten des Armeeangehörigen. Bei der Auswertung wie folgt vorgehen:

1. Sinn und Zweck der Auswertung darlegen.
2. Den Armeeangehörigen zu seinen Leistungen und seinem klassenmäßigen Verhalten Stellung nehmen lassen. Ihn dabei nicht unterbrechen.
3. Die Ausführungen des Armeeangehörigen durch die persönliche Einschätzung ergänzen.
4. Im Gespräch mit leistungsschwachen Armeeangehörigen die Ursachen für Leistungsversagen ergründen und helfende Hinweise geben. Im Gespräch mit leistungsstarken Armeeangehörigen Aufträge zur Unterstützung schwächerer Armeeangehöriger oder Aufgaben zur Vorbereitung der nächsten Ausbildung erteilen.

Stets kontrollieren, ob die festgelegten Maßnahmen erfüllt werden. Wenn notwendig, zusätzliche Maßnahmen einleiten.

Quelle: Handbuch Militärisches Grundwissen NVA - Ausgabe 10. Auflage, Redaktionsschluß: 15. 11. 1980
Die umfangreiche Arbeit des Abtippens (!) machte sich dankenswerter Weise: Harry Kleinke